Wie alle Geschichten existieren auch Kultur- und Literaturgeschichten nicht im luftleeren Raum. Sie sind immer Geschichten von Menschen, die Kultur gemacht, gelebt und verändert haben; von Praktiken, mit denen Gesellschaften sich (de)stabilisieren; und von Medien, durch die sie miteinander kommunizieren – sei es durch Wort, Schrift, Bild oder Körper. Das Seminar verbindet literaturgeschichtliche Lektüren mit kulturtheoretischen Perspektiven, um zentrale kulturelle Dynamiken des mittel- und osteuropäischen Raums von der Kyjiwer Rus’ bis zur Gegenwart nachzuzeichnen. Dabei werden wir fragen:
· Wie entsteht „Kulturgeschichte“ in Texten, Bildern und Erinnerungspraktiken?
· Welche Rolle spielen Medien und Körper für die Bildung kultureller Identität?
· Und wie lässt sich das Spannungsfeld von Tradition und Transformation im 20. und 21. Jahrhundert verstehen?
Im Mittelpunkt stehen exemplarische Fallstudien und literarische Texte aus verschiedenen Sprachen und Epochen – von der Chronistik der Kyjiwer Rus’ über die ukrainische, russische, polnische und tschechische Klassik bis zur dissidentischen und postsozialistischen Gegenwartsliteratur. Wir diskutieren kulturprägende und -verändernde Praktiken wie Erinnern, Schreiben, Übersetzen, Protestieren oder Performen und analysieren typische Akteursfiguren der osteuropäischen Kulturen, etwa:
· den Proletarier und die Dissidentin,
· den Soldaten und die Grenzgängerin,
· den neuen Menschen der Moderne.
Ziel des Seminars ist es, einen Überblick über wichtige Epochen, Texte und Konzepte der mittel- und osteuropäischen Kultur- und Literaturgeschichte zu gewinnen und zugleich ein Verständnis für die kulturellen Selbstentwürfe dieser Region zu entwickeln – in ihrer Vielstimmigkeit, Widersprüchlichkeit und Aktualität. Methodisch werden kulturwissenschaftliche Grundlagentexte (u. a. von Bakhtin, Lotman, Assmann, Bourdieu) mit literarischen und medialen Quellen kombiniert. So entsteht ein Panorama der kulturellen Austausch- und Spannungsräume Mittel- und Osteuropas – von der mittelalterlichen Sakralkultur über Aufklärung und Moderne bis zu Dissidenz, Erinnerungskultur und digitaler Gegenwart.
Cornis-Pope, Marcel / Neubauer, John (Hg.): Comparative History of Literatures in European Languages: East Central Europe. Amsterdam: Benjamins, 2010.Müller, Klaus-Detlef: Osteuropäische Literaturen im 20. Jahrhundert. München: Fink, 1998.Thompson, Ewa M. / Tihanov, Galin (Hg.): Between the Global and the Local: The Cultural Semiotics of East-Central Europe. Boston: Academic Studies Press, 2013.
Bachelormodule: 3 LPReferat: 15 Minuten
Mastermodule: je nach Modul 3LP, 4 LP oder 5 LPReferat: 15 Minuten
StudiumPlus Modul Ba-SK-P-1Variante I: 3 LP 15-minütiges ReferatVariante II: 6 LP Hausarbeit im Umfang von 15 Seiten
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