Noch bevor das 20. Jahrhundert vorüber war, nannte man es bereits das „Jahrhundert der Avantgarde”, eine nicht unumstrittene Verortung, ist doch auch zum Ausgang des 20. Jahrhunderts vom Tod der Avantgarde (zumindest dem Theorie-Tod, Paul Mann, 1991) und gescheiterten Projekten die Rede. Andererseits wird ihr bis in die Gegenwart hinein Langlebigkeit (Das lange Leben der Avantgarde (Asholt, 2024) bescheinigt. Durch wissenschaftsdisziplinäre Grenzen sind die historischen Avantgarden (ca. 1910-1930) häufig mit „nationalen” Attributen wie französische, russische oder polnische Avantgarde versehen oder auch von Grenzziehungen wie literarische Avantgarde, künstlerische Avantgarde, Avantgarde in der Architektur usw. gezeichnet. Im Seminar werden wir indessen den Blick vor allem auf Verflechtungen der Avantgarden und transmediale Entgrenzungen, auf die Vielfalt konkreter Realisierungen und auf Netzwerke von Künstler:innen richten. Ausgangspunkte für derartige Betrachtungen werden u.a. die Jüdische (einschließlich Jiddische) Avantgarde Ostmitteleuropas, das Bauhaus als integratives Konzept, Sprach- und Formexperimente unterschiedlichster Ismen sein. Neben literarischen Texten und künstlerischen Artefakten werden auch Programm- und Manifesttexte sowie Presseerzeugnisse in die Seminardiskussion einbezogen.
Im Rahnen des Seminars ist eine eintägige Exkursion ins Bauhaus nach Dessau geplant.
2 Thesenpapier + 1 Kurzreferat
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