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Foto: Matthias Friel

1495, 1555, 1648 und 1803 – Zäsurjahre der Reichsverfassungsgeschichte der Frühen Neuzeit - Einzelansicht

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Veranstaltungsart Seminar Veranstaltungsnummer
SWS 2 Semester SoSe 2020
Einrichtung Historisches Institut   Sprache deutsch
Weitere Links Kommentar
Belegungsfrist 20.04.2020 - 10.05.2020   
Gruppe 1:
     Zur Zeit keine Belegung möglich
    Tag Zeit Rhythmus Dauer Raum Lehrperson fällt aus am Max. Teilnehmer/-innen
Einzeltermine anzeigen
Seminar Mo 12:00 bis 14:00 wöchentlich 20.04.2020 bis 20.07.2020  1.12.0.14 Prof. Dr. Asche  
Kommentar

Vom Gießener Mediävisten Peter Moraw stammt die Aussage: „Das spätmittelalterliche Reich [war] zwar kein Staat, aber auch kein Nicht-Staat.“ Die Kriterien des Staatsrechtlers Georg Jellinek (1900), wonach der Staat ein soziales Gebilde mit drei wesentlichen Elemente „Staatsgebiet“ (mit Staatsgrenzen), „Staatsvolk“ und „Staatsgewalt“ sei, erfüllte das Heilige Römische Reich nämlich gerade nicht: Eine Reichshauptstadt, eine verbindliche Verfassung, ein einheitlicher Untertanenverband, ein staatliches Gewaltmonopol, ein stehendes Reichsheer, eine unbestrittene Exekutive, eine nennenswerte Bürokratie, eine effektiv eingetriebene Reichssteuer, ja noch nicht einmal eine konkurrenzlos agierende Reichsgerichtsbarkeit – all dies, was moderne Staatlichkeit ausmachte, fehlte. Die meisten, für früh zentralisierte westeuropäische Nationalstaaten so typischen Herrschaftsrechte mußte der Kaiser gemeinsam mit den Reichsständen – klassisch hier die Formel von „Kaiser und Reich“ – ausüben, die sich auf den seit dem ausgehenden 15. Jahrhundert allmählich ausbildenden Reichstagen als Vertreter der „teutschen“ Nation verstanden. Auf die Frage nach einer zentralisierten Staatsgewalt im Alten Reich muß daher immer wieder auf die mächtigen weltlichen und geistlichen Landesherrn verwiesen werden. Zu diesen zählten freilich auch die seit dem 15. Jahrhundert (meist) habsburgischen Kaiser, die aber innerhalb des Verfassungsgefüges quasi lediglich Primus inter pares waren – mit zeremoniellem Vorrang und Prärogativrechten freilich, sonst aber nichts. Dieser uneindeutige, zuweilen auch schlicht archaische Charakter machte schon den zeitgenössischen Reichspublizisten zu schaffen. Der Staatsrechtler Samuel von Pufendorf etwa kapitulierte geradezu in seinem Werk über die „Verfassung des deutschen Reiches“ („De statu imperii Germanici“, 1667) bei der Beschreibung des Charakters des Alten Reiches: Es sei „irregulär und einem Monstrum ähnlicher Gestalt“ (irregulare aliquod corpus et monstro simile), weil es sich weder mit den antiken Staatsformen nach Aristoteles, noch mit den zeitgenössischen Souveränitätstheorien erklären lasse. Im Seminar werden die durch den Dualismus zwischen dem Reichsoberhaupt und den Reichsständen – klassisch durch die Formel von „Kaiser und Reich“ – geprägten Reichsgrundgesetze gelesen und interpretiert: der Reichsabschied von Worms (1495), der Augsburger Religionsfrieden (1555), der Westfälische Frieden (1648) und der Reichsdeputationshauptschluß (1803).

Aufgrund der aktuellen Situation wird die Lehrveranstaltung zunächst mit ausführlicher Quellen- und Literaturlektüre beginnen. Konkrete Planungen sind vor Semesterbeginn schwierig, zumal nicht abzusehen ist, wann und ob überhaupt die Präsenzlehre in diesem Semester beginnt.



Literatur

Arno Buschmann (Hg.), Kaiser und Reich. Klassische Texte zur Verfassungsgeschichte des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation vom Beginn des 12. Jahrhunderts bis zum Jahre 1806, München 1984. Weitere Literatur wird im Seminar genannt.

Leistungsnachweis

regelmäßige, aktive Teilnahme; kleinere Essays; ggf. Seminarleitung; Hausarbeit.


Strukturbaum
Die Veranstaltung wurde 4 mal im Vorlesungsverzeichnis SoSe 2020 gefunden:
Vorlesungsverzeichnis
Philosophische Fakultät
Historisches Institut und Klassische Philologie
Geschichte
Bachelor Geschichte (Prüfungsversion ab WiSe 2015/16)
Erstfach
Wahlpflichtmodule
GES_BA_012 - Aufbaumodul Frühe Neuzeit/Aufklärung  - - - 1
Zweitfach
Wahlpflichtmodule
GES_BA_012 - Aufbaumodul Frühe Neuzeit/Aufklärung  - - - 2
Bachelor Lehramt Geschichte (Prüfungsversion ab WiSe 2013/14)
Pflichtmodule
GES_BA_020 - Aufbaumodul Alte Welt  - - - 3
Bachelor Lehramt Geschichte (Prüfungsversion ab WiSe 2011/12) und B2 Geschichte (General History) (Prüfungsversion ab SoSe 2011)
EM-AW - Ergänzungsmodul Alte Welt  - - - 4