Als Troubadoure und Trobairitz sind die Sänger*innen und Dichterinnen bekannt, die im 12. Jahrhundert die erste unabhängige Lyriktradition in einer romanischen Sprache schufen. Unter ihnen finden sich Frauen und Männer aus allen gesellschaftlichen Schichten: von Herrscherinnen und Herrschern über Burgherren bis hin zu Händlern, Spielleuten und unzufriedenen Mönchen. In ihren Liedern experimentierten sie mit Themen wie erotischer Liebe, Politik und religiöser Hingabe; sie schätzten die Erfindung neuer poetischer Formen und entwickelten eine Vielzahl lyrischer Gattungen und Kompositionsstile. Aber ihre Dichtung ist weit mehr als ein Kapitel der Literaturgeschichte: Denn sie übte eine große Wirkung auf die europäische Lyrik. Eine Beschäftigung mit den Troubadouren lädt auch dazu ein, grundlegende Fragen zu stellen: Wer erhält eine öffentliche Stimme? Wessen Wünsche werden gehört – und wie werden sie poetisch formuliert? In diesem Seminar untersuchen wir den Einfluss dieser frühen Lyrik auf Politik, Gesellschaft und Kultur Europas – von der höfischen Ideologie bis zu modernen Konzepten von Autor*innenschaft und Emotionalität.Die Texte werden in deutscher Übersetzung oder modernem Französisch gelesen; keine Vorkenntnisse sind erforderlich. Ziel ist es, die Faszination dieser Poesie als Schlüssel zum Verständnis europäischer Kultur und als überraschend aktuelle Literatur zu entdecken.
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