Der Kurs wird von Philipp Thomeczek und Teresa Haußmann unterrichtet.
Populistische Parteien und Bewegungen prägen seit Jahren politische Debatten in Europa und darüber hinaus. Gleichzeitig lässt sich eine zunehmende (Re-)Politisierung von Fragen rund um Geschlecht und Sexualität beobachten, nicht zuletzt durch die Anti-Gender-Mobilisierung eines breiten Spektrums rechtsextremer bis konservativer Akteure. Parallel dazu wird in der Wahlforschung verstärkt der sogenannte Modern Gender Gap diskutiert. Dieser beschreibt ein Muster, nach dem Frauen häufiger linke Parteien wählen, während Männer überproportional rechte Parteien unterstützen. Dieses Muster zeigte sich zuletzt auch bei der Bundestagswahl 2025, bei der deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede in der Wählerschaft der populistischen Parteien BSW und AfD zu beobachten waren. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, inwiefern Geschlecht selbst zu einer strukturierenden Konfliktlinie im (populistischen) Parteienwettbewerb wird.
Abou-Chadi, Tarik; Breyer, Magdalena; Gessler, Theresa. 2021. „The (re)politicisation of gender in Western Europe.“ European Journal of Politics and Gender 4 (2), 311–314. https://doi.org/10.1332/251510821x16177312096679
Mostov, Julie. 2020. „Populism Is Always Gendered and Dangerous.“ Frontiers in Sociology 5: 625385. https://doi.org/10.3389/fsoc.2020.625385
Mudde, Cas, and Cristóbal R. Kaltwasser. 2015. „Vox populi or vox masculini? Populism and gender in Northern Europe and South America.“ Patterns of Prejudice 49 (1-2):16–36. https://doi.org/10.1080/0031322X.2015.1014197
Vries, Lisa de, Mirjam Fischer, and David Kasprowski. 2024. „„männlich“, „weiblich“, „divers“ – Eine kritische Auseinandersetzung mit der Erhebung von Geschlecht in der quantitativ-empirischen Sozialforschung.“ Zeitschrift für Soziologie 53 (4): 364–86. https://doi.org/10.1515/zfsoz-2024-2029
Grundkenntnisse in quantitativer Sozialforschung sowie Interesse an quantitativen Forschungsmethoden. Zudem wird ein gutes Textverständnis englischsprachiger Literatur vorausgesetzt, da ein Großteil der Seminartexte auf Englisch verfasst ist.
Die Leistungsanforderungen werden zu Seminarbeginn bekannt gegeben.
Das Seminar untersucht das Verhältnis von Populismus und Geschlecht aus einer vergleichenden, theoretischen und überwiegend empirisch-quantitativen Perspektive. Nach einer Einführung in zentrale Konzepte und Klassifikationen von Populismus werden verschiedene Aspekte dieser Verbindung diskutiert. Dazu zählen unter anderem Unterschiede zwischen Links- und Rechtspopulismus, die Rolle von Geschlecht als möglichem Prädiktor populistischer Einstellungen sowie geschlechtsspezifische Muster im Wahlverhalten populistischer Parteien. Ziel des Seminars ist es, zentrale Debatten der Forschung anhand ausgewählter Beispiele zu diskutieren, gemeinsam Forschungslücken zu identifizieren und methodische Herausforderungen sowie Grenzen der quantitativen Populismus- und Geschlechterforschung zu reflektieren.
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