Digitale Technologien prägen zunehmend, wie Klimapolitik vorbereitet, entschieden und umgesetzt wird – und wie sie öffentlich verhandelt, unterstützt oder blockiert werden kann. Beteiligungsplattformen, Social-Media-Öffentlichkeiten, Open-Data-Dashboards, Modellierungen, digitale Zwillinge und KI-gestützte Entscheidungshilfen versprechen schnellere, evidenzbasierte und transparentere Politik. Zugleich verschieben sie Zuständigkeiten und Machtressourcen zwischen Staat, Verwaltung, Wissenschaft, Unternehmen, Plattformen und Zivilgesellschaft, erzeugen neue Abhängigkeiten (z. B. von Daten und Infrastrukturen) und werfen grundlegende Fragen demokratischer Steuerung auf: Wer definiert relevante Daten und Indikatoren? Wer kontrolliert Modelle und Algorithmen? Wie entstehen Verantwortlichkeit, Rechenschaft und Vertrauen in digital gestützten Policy-Prozessen? Das Seminar untersucht diese Transformation aus einer politikwissenschaftlichen Perspektive auf Governance, Policy-Prozesse und Demokratie. Im Zentrum steht eine vergleichende Perspektive: Analysiert werden digitale Instrumente und digitale Öffentlichkeiten der Klimagovernance auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene sowie ihre Effekte auf Legitimität, Inklusion, Transparenz, Rechenschaft und Wirksamkeit. Dabei werden sowohl Chancen (z. B. neue Partizipationsformen, bessere Koordination, Monitoring) als auch Risiken (z. B. Exklusion durch digitale Ungleichheit, „Governance by Numbers”, Polarisierung/Desinformation, Backlash) systematisch diskutiert. Anhand ausgewählter Fallstudien – etwa zu digitalen Beteiligungsprozessen, datenbasierter Steuerung und Plattformdynamiken – erarbeiten die Teilnehmenden eigenständige Vergleichsanalysen, reflektieren Zielkonflikte zwischen Effizienz und Demokratiequalität und entwickeln Kriterien bzw. Gestaltungsprinzipien für demokratisch robuste digitale Politikprozesse in der Klima-, Energie- und Nachhaltigkeitspolitik.
Grundlagen der Politik-/Sozialwissenschaften und wissenschaftliches Arbeiten; Interesse am Thema; aktive Mitwirkung
Aktive Teilnahme; Referat (max. 20 Minuten) + Handout; Ko-Referat (Kommentierung)
Modulprüfung: Hausarbeit (12–15 Seiten) (auf Basis des Referatsthemas oder einer alternativen Fragestellung)
Studierende der Politikwissenschaft (auch offen für angrenzende Fächer)
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