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Foto: Matthias Friel

Deutsche Entwicklungspolitik von den Anfängen bis zur Gegenwart - Einzelansicht

Veranstaltungsart Oberseminar Veranstaltungsnummer
SWS 2 Semester WiSe 2022/23
Einrichtung Historisches Institut   Sprache deutsch
Belegungsfrist 04.10.2022 - 10.11.2022

Belegung über PULS
Gruppe 1:
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    Tag Zeit Rhythmus Dauer Raum Lehrperson Ausfall-/Ausweichtermine Max. Teilnehmer/-innen
Einzeltermine anzeigen
Oberseminar Di 10:00 bis 12:00 wöchentlich 18.10.2022 bis 07.02.2023  1.09.2.03 Prof. Dr. Geppert 20.12.2022: Akademische Weihnachtsferien
27.12.2022: Akademische Weihnachtsferien
Kommentar

Der Gegenstand unseres Seminars gehört zu denjenigen Politikfeldern, die nicht ganz einfach zu fassen sind, worauf schon die Fülle teilweise scharf miteinander konkurrierender Fachtermini wie „Entwicklungshilfe“ und „Entwicklungszusammenarbeit“ hindeutet. Einerseits hat Entwicklungspolitik den Anspruch, jenseits von engem ökonomischen oder politischen Eigennutz idealistisch am Gemeinwohl der gesamten Menschheit orientiert zu sein. Andererseits ist die Entwicklungshilfe keines Landes frei von spezifischen Interessen außenwirtschaftlicher, geostrategischer, energie-, bevölkerungs- oder bündnispolitischer Art. Auf der einen Seite ist Entwicklungspolitik ein recht junges Phänomen, das erst in der Hochphase der Modernisierungstheorie während der 1950er und 1960er Jahre seinen Durchbruch erlebte. Auf der anderen Seite führen auch in Deutschland, das seine überseeischen Besitzungen früher verlor als andere europäische Mächte, personelle Kontinuitäten und mentale Traditionslinien zurück zu den Zivilisierungsmissionen des kolonialen Zeitalters im 19. und frühen 20. Jahrhundert.

Die Entwicklungspolitik war, wie andere Politikfelder in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts auch, von den Denkmustern und Handlungsvorgaben des Kalten Krieges durchdrungen. Sie wurde jedoch in ihrem Kern nicht vom Ost-West-Gegensatz bestimmt, sondern vom Antagonismus zwischen einem industrialisierten Norden und einem als rückständig erachteten globalen Süden, der quer zu den Konfliktlinien des Kalten Krieges verlief. Das 1961 gegründete Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) bildet den institutionellen Kern staatlicher Entwicklungspolitik in der Bundesrepublik Deutschland. Zugleich sind aber gerade in der Entwicklungspolitik der Bundesrepublik gesellschaftliche Akteure wie Kirchen, Gewerkschaften, Parteistiftungen, Verbände, Denkfabriken, Lobbygruppen und Nichtregierungsorganisationen von großer Bedeutung.

Wie lassen sich „Entwicklungspolitik“ bzw. verwandte Termini wie „Entwicklungshilfe“ und „Entwicklungszusammenarbeit“ begrifflich fassen? Worin unterscheidet sich Entwicklungspolitik von Außenpolitik oder Wirtschaftspolitik und welche Abgrenzung nahmen die Zeitgenossen vor? Welche anderen Politikbereiche berührt sie? Was interessiert die Geschichtswissenschaft an der Entwicklungspolitik? Welche historischen Methoden stehen für ihre Erforschung zur Verfügung? Was sind spezifische Merkmale deutscher Entwicklungspolitik, die sie von anderen Ländern unterscheidet? Wie veränderten sich ihre Rahmenbedingungen im Laufe der Zeit? Welche Akteure, Paradigmen und Probleme waren in der deutschen Entwicklungspolitik wichtig? Welche Quellen stehen für ihre Erforschung zur Verfügung? Welche Zäsuren und Perioden lassen sich in der Geschichte der deutschen Entwicklungspolitik ausmachen? So lauten einige der Fragen, mit denen wir uns in dem Oberseminar beschäftigen wollen.

Die Lehrveranstaltung ist als Forschungsseminar angelegt und verzichtet auf klassische Referate zu einzelnen Themen. Stattdessen erarbeiten wir uns gemeinsam die Begrifflichkeiten, Themenstellungen, Forschungsfragen, Quellengrundlagen und Gliederungsansätze zu den wissenschaftlichen Hausarbeiten, die alle Studierenden im Rahmen des Seminars verfassen. Mündliche Prüfungen als Ersatzleistung für Lehramtsstudierende sind daher in diesem Seminar ausgeschlossen.

Literatur

Michael Bohnet: Geschichte der deutschen Entwicklungspolitik: Strategien, Innenansichten, Zeitzeugen, Herausforderungen, Konstanz 2015; Bastian Hein: Die Westdeutschen und die Dritte Welt. Entwicklungspolitik und Entwicklungsdienste zwischen Reform und Revolte 1959-1974, München 2006; Karsten Linne: Die Bruderschaft der „Entwickler“. Zur Etablierung der Entwicklungspolitik in der Bundesrepublik Deutschland 1956 bis 1974, Göttingen 2021; Corinna Unger: International Development. A Postwar History, London 2018.

Leistungsnachweis

Studienleistung: Regelmäßige aktive Teilnahme an den Diskussionen, seminarbegleitende Lektüre von Forschungsliteratur und Quellen, verschiedene kleinere Hausarbeiten; Prüfungsleistung: Schriftliche Hausarbeit (20-25 Seiten).


Strukturbaum
Keine Einordnung ins Vorlesungsverzeichnis vorhanden. Veranstaltung ist aus dem Semester WiSe 2022/23 , Aktuelles Semester: WiSe 2023/24