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Foto: Matthias Friel

Der verborgene Server - Digitale Technologien, Erscheinungsmythen, Machtbeziehungen und Körperpolitik - Einzelansicht

Veranstaltungsart Seminar Veranstaltungsnummer
SWS 2 Semester WiSe 2023/24
Einrichtung Wirtschaftswissenschaften   Sprache deutsch
Belegungsfrist 02.10.2023 - 10.11.2023

Belegung über PULS
Gruppe 1:
     jetzt belegen / abmelden
    Tag Zeit Rhythmus Dauer Raum Lehrperson Ausfall-/Ausweichtermine Max. Teilnehmer/-innen
Seminar -  bis  wöchentlich am   Dongus ,
Prof. Dr. Gronau ,
Marcin
 
Kurzkommentar

Termine


Mittwochs: 25.10, 1.11., 8.11., 15.11., 22.11., 29.11., 6.12., 13.12., 20.12., 10.01., 17.01., 124.1., 31.01., 7.2.
jeweils 10-14 Uhr
Raum 1.10, Karl-Marx-Str. 67

Kommentar

Der verborgene Server - Digitale Technologien, Erscheinungsmythen, Machtbeziehungen und Körperpolitik

Theorie-Praxis-Seminar
Von Ariana Dongus und Nadja Verena Marcin

Eine Wolke fliegt am sonnigen Himmel einer mythischen Technosphäre. Aus dieser Wolke werden buchgroße Hochleistungsterminals gespeist, deren menschlicher Benutzer sich - ähnlich wie bei Gullivers Reisen - als Riese gegenüber dem technischen Gerät präsentiert. Der menschliche Körper des Nutzers erscheint zwecklos. Darüber hinaus verfügt diese Wolke über eine neue künstliche Intelligenz, die auch den Verstand des Nutzers herausfordert. Wohin wird die Reise gehen, und werden die Nutzer den Weg zurück ins Menschenland finden?

Das Theorie-Praxis-Seminar „Der verborgene Server - Digitale Technologien, Erscheinungsmythen, Machtbeziehungen und Körperpolitik“ untersucht das Verhältnis der menschlichen Vorstellungskraft zur Technologie, ihren Anwendungen und Vermarktungsstrategien, sowie die strukturellen Machtverhältnisse der Produktion im Vergleich zu Sichtbarkeit, zur Ordnung unserer Weltgesellschaft, individuellen sozialen Beziehungen und nicht zuletzt der des menschlichen Körpers.
 
Hilfreich oder lästig - während die Verflechtung von Menschen und Maschine im Alltag von allen erlebt wird, wird die Technik in der Mainstream-Vorstellung weiterhin als das große Andere propagiert. Interessant ist dabei, wie Technik je nach Kontext unterschiedlich beschrieben wird: Wenn sie unsichtbar sein soll, ist sie nur ein Prozess, z.B. das WIFI; wenn sie Aufmerksamkeit und Emotionen mobilisieren soll, wird sie in Form von feminisierten Servicerobotern oder apokalyptischen Terminatoren anthropomorphisiert. In der aktuellen Diskussion über groß angelegte Sprachmodelle wie ChatGPT wird es als geistige Bedrohung für die Menschheit dargestellt.

Was in diesen alarmistischen Diskussionen oft untergeht, sind Nuancen und wichtige Aspekte rund um die Implementierung von KI. Die Normalisierung von "KI" macht die Frage unsichtbar, welche Version des Menschseins wir derzeit haben und wen sie ausschließt. Wie von vielen beschrieben, ist die politische Vorstellung von KI als Sklave menschlicher Bedürfnisse, als eine Maschine, die sich eines Tages gegen ihre menschlichen Schöpfer erheben könnte, zutiefst kolonial und patriarchalisch und basiert immer auf der Vorstellung, dass Andere minderwertig sind, kontrolliert, unterdrückt und ausgebeutet werden müssen.

Ausgehend von zwei Büchern, "Surrogate Humanity: Race, Robots, and the Politics of Technological Futures" von Neda Atanasoski und Kalindi Vora, und "Caliban and the Witch: Women, the Body and Primitive Accumulation" von Silvia Federici werden wir die historischen, sozialen und politischen Kontexte analysieren, die die politischen Beziehungen zwischen Technologie und dem menschlichen Körper geprägt haben. Durch kritische Lektüre einzelner Auszüge, praktische Übungen und Diskussionen werden wir erkunden, wie Technologie zur Kontrolle und Ausbeutung von Körpern eingesetzt wurde und wird, aber auch Beispiele untersuchen, in denen sich Körper gegen solche Technologien gewehrt und sie erfolgreich unterlaufen haben.

Von Robotern bis hin zu medizinischen Experimenten - im Laufe des Kurses beschäftigen wir uns mit konkreten Beispielen dafür, wie der Körper als Testfeld für verschiedene Technologien diente oder dient. Wie Technologien uns von bestimmten Aufgaben befreien, uns aber gleichzeitig abhängig machen. Wie Künstler von der Körperkunst der 60er Jahre bis zum heutigen Konzept der Performancekunst sich im Laufe der Jahre mit diesen Fragen auseinandergesetzt haben. Gleichzeitig wird im Seminar ein Drehbuch für ein Dokumentarvideo entwickelt und umgesetzt, das uns gemeinsam durch den Dschungel unserer Recherche führen wird und anderen einen prägnanten Einblick in die Ergebnisse unserer kollektiven Recherche gibt.

Literatur

Wird im Seminar bekannt gegeben.

Voraussetzungen

Die Anmeldung erfolgt ab Anfang Oktober auch über die Seiten des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik Prozesse und Systeme
(https://wi.uni-potsdam.de/).

Leistungsnachweis

Es ist eine schriftliche Hausarbeit im Umfang von ca. 15 Seiten anzufertigen, deren Ergebnisse in Form eines Vortrages zu präsentieren sind (ca. 15 Minuten Vortrag, 10 Minuten Diskussion). Eine aktive Teilnahme am Seminar wird erwartet.


Strukturbaum
Keine Einordnung ins Vorlesungsverzeichnis vorhanden. Veranstaltung ist aus dem Semester WiSe 2023/24 , Aktuelles Semester: SoSe 2024