Supererogationen sind gute Werke, die man nicht tun muss, weil sie keine Pflicht sind. Gibt es solche Handlungen? Oder ist jede moralisch wertvolle Handlung Pflicht, weil sie moralisch wertvoll ist? (i) Supererogationen haben eine bewegte Geschichte. Der Begriff stammt aus der Bibel. In der Scholastik konnte man mit Supererogationen Sünden wieder gut machen. Zur Zeit der Reformation haben sie zur Spaltung zwischen Evangelisch-Protestantischem und Katholischem Christentum in der Reformation geführt. Der Ablasshandel war nur der äußere Anlass. Das Seminar rekonstruiert in einem ersten philosophiegeschichtlichen Teil den Ursprung des Supererogations-Begriffs in der christlichen Bibel und die Debatte zwischen Thomas von Aquin versus Luther, Calvin und Melanchton über Grenzen der Pflicht vor Gott. (ii) Wiederentdeckt wurden Supererogationen Ende des 20. Jhds. Mit der Kategorie sollte die Alleinherrschaft der Pflichten im Bereich der Moral begrenzt werden. In einem zweiten Teil werden verschiedene Plädoyers für Supererogationen aus den Anfängen der modernen Supererogationsforschung zur Diskussion gestellt. (iii) Warum sagen manche Menschen nach einer Supererogation, dass sie nur ihre Pflicht getan hätten? Warum ist die Verweigerung eines Gefallens mies, aber die Verweigerung einer Nierenspende nicht, obwohl beide freiwillige Supererogation sein soll? Und ist es nicht schlicht dämlich, sein Leben für andere zu riskieren? Solche kniffligen Probleme werden im dritten Teil diskutiert.(iv) Im vierten Teil werden die Anwendungsfragen diskutiert, ob das Austragen einer ungewollten Schwangerschaft, die Lebendspende einer Niere und das Spenden gegen den Welthunger Supererogation oder Pflicht ist.
Vgl. moodle.
Erwartet wird die regelmäßige Teilnahme sowie zwei Positionspapieren zu zwei Seminartexten und Leitung der jeweiligen Seminar-Diskussionen nach dem Vorbild der Sektionsleitung bei philosophischen Tagungen bzw. der Text-Diskussion in der Schule. Die Positionspapiere sollten Umfang von einer DIN4-Seite nicht überschreiten. Sie können den Aufbau haben (1) Bibliograph. Angaben/ Quelle (2) Stichwortartige Zusammenfassung des Argumentationsgangs (3) Ggfs. Klärung zentraler Begriffe (4) Ca. 5 Diskussionsfragen oder weiterführende Fragen.
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