Das Dokumentarfilmschaffen in Lateinamerika ist seit jeher eng mit politischen Fragen und gesellschaftlichen Auseinandersetzungen verknüpft. So verstanden die Filmemacher*innen des „Neuen Lateinamerikanischen Kinos” der 1960er und 70er Jahre ihre Arbeit ausdrücklich als Beitrag zur Revolution; die radikale Infragestellung dominanter Produktions- und Repräsentationsformen als kulturelle Dekolonisation. Im Laufe der Jahrzehnte hat sich das Verhältnis von Politik und Ästhetik im lateinamerikanischen Dokumentarfilm merklich verändert, wobei die Kritik sozialer Ungerechtigkeit, Diskriminierung und globaler Ausbeutungsverhältnisse nach wie vor eine zentrale Rolle einnimmt. Thematisch rücken im 21. Jahrhundert die Aufarbeitung der Verbrechen der Militärdiktaturen sowie bis dahin wenig beleuchtete Aspekte, wie etwa die Lebensrealitäten queerer Personen, in den Vordergrund. In formaler Hinsicht lässt sich für diese Zeit eine „Subjektivierung” des dokumentarischen Diskurses feststellen.
Im Seminar beschäftigen wir uns mit Filmen aus über 60 Jahren Dokumentarfilmgeschichte sowie mit theoretischen Ansätzen zur Untersuchung verschiedener Formen der kreativen Bearbeitung von Realität.
Testat: Referat
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