Nicht nur in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur stellen autobiographische und/fiktionale Erzählungen über Kindheit und Herkunft ein beliebtes Sujet dar. Adaptionen der literarischen Texte finden sich auf den Theaterbühnen und in Kinofilmen, so z.B. in den Verfilmungen der Romane „Ellbogen“ (2024) von Fatma Aydemir oder „Mit der Faust in die Welt schlagen“ (2025) von Lukas Rietzschel. Die Themenfelder sind dabei unterschiedlich gewichtet: Es sind Schilderungen von Kindheit und Jugend am Ende der DDR und der nachfolgenden ‚Wendezeit‘; Darstellungen postmigrantischer Erfahrungsräume, Beschreibungen des Verlustes des Geburtslandes und der oftmals schwierigen Ankunft in Deutschland, verbunden mit Erfahrungen von Gewalt, Diskriminierung, Rassismus oder Antisemitismus. Was die verschiedenen Erzählungen verbindet, ist die Suche nach der eigenen Verortung in der Mehrheitsgesellschaft, welche Bedeutung der sozialen Herkunft im Sinne von Klasse dabei zukommt, aber auch welche Funktion Geschlechterzuschreibungen und damit verbundene traditionelle Rollenbilder und das Durchbrechen derselben haben.
Anhand von Textauszügen unterschiedlicher Autor:innen (u.a. Paula Fürstenberg, Dimitrji Kapitelman, Deniz Ohde, Ronya Othmann, Anne Rabe, Lukas Rietzschel, Sasha Marianna Salzmann, Sasa Stanisic) steht die narratologische Untersuchung von Herkunftsbeschreibungen im Mittelpunkt des Seminars. Zudem wird in ausgewählte Methoden der Literatur- und Kulturwissenschaft eingeführt, die am Beispiel der Textlektüren erprobt werden.
Bischoff, Doerte; Komfort-Hein, Susanne (Hg.): Handbuch Transnationalität und Literatur. Boston/Berlin: De Gruyter 2019.
Charlotte Gneuß (Hg.): Neue Rundschau 2024/4: Diktatur und Utopie – wie erzählen wir die DDR? Frankfurt/Main: Fischer Verlag 2024.
Corinne Orlowski (Hg.): Metamorphosen 28 – Nachwendekinder. Berlin: Verbrecher Verlag 2020.
Dominik Zink, Reto Rössler (Hg.): Herkünfte erzählen. Verflechtungsästhetiken von Interkulturalität und Intersektionalität in deutschsprachiger Gegenwartsliteratur. Berlin/Boston: De Gruyter 2025.
unbenotet: Bearbeitung von Lektüreaufgaben, Vorstellung und Abgabe einer Textanalyse (2 Seiten) sowie eines Thesenpapiers im Rahmen des Seminars
benotet: Hausarbeit oder Prüfungsgespräch
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