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Foto: Matthias Friel

Doppelgänger und Spiegelbilder in der Literatur - Einzelansicht

Veranstaltungsart Seminar Veranstaltungsnummer 1205
SWS 2 Semester WiSe 2012/13
Einrichtung Institut für Germanistik   Sprache deutsch
Weitere Links Kommentar
Belegungsfrist 01.10.2012 - 04.11.2012

Belegung über PULS
Gruppe 1:
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    Tag Zeit Rhythmus Dauer Raum Lehrperson fällt aus am Max. Teilnehmer/-innen
Einzeltermine anzeigen
Seminar Do 16:00 bis 18:00 wöchentlich 18.10.2012 bis 07.02.2013  1.19.0.13 Dr. Gemmel   50
Kommentar

Für weitere Informationen zum Kommentar, zur Literatur und zum Leistungsnachweis klicken Sie bitte oben auf den Link "Kommentar".

"Du bist meine Halluzination.
Du bist eine Verkörperung meines eigenen Ich,
freilich nur eine Seite desselben."
(Fjodor Dostojewskij)

Lange vor der Etablierung der Psychologie tauchen in der Literatur Doppelgänger auf, mitunter maskiert als Spiegelbild, Traumgestalt oder als Fragmente des Ichs. Dies führte früh zu einer intensiven Auseinandersetzung mit problematischer Identität, wobei insbesondere seit der Romantik das Motiv des Doppelgängers zur Beschreibung wahnhafter Zustände und verunsicherter Ich-Wahrnehmung in der Literatur verwendet wurde. Vor dem Hintergrund philosophischer, überhaupt geistesgeschichtlicher Entwicklungen (wie der Ich-Philosophie Fichtes) und der Frage nach der (isolierten) Stellung des Künstlers in seiner Zeit will das Seminar das literarische Doppelgängermotiv in seiner Vielfältigkeit und Ambivalenz problematisieren. Anhand ausgewählter Beispiele - vor allem aus der Literatur seit der Romantik - soll dieses Motiv unter Berücksichtigung psychologischer und geistesgeschichtlich-philosophischer Momente analysiert werden. Die Frage, die dabei jeder Interpretation zugrunde liegt, ist die nach individueller Identität und Selbsterfahrung in Zeiten gesellschaftlicher Krisen.

Die Figur des Doppelgängers irritiert und fasziniert zugleich: Sein Erscheinen ignoriert die Differenz zwischen dem Ich und dem Anderen, die Autonomie des Subjekts wird fraglich, das Ich im Zweifel panisch und schizophren. Die Literatur thematisiert diese rätselhaften Differenzbeziehungen in einem Spiel um Verwechselung, Auflösung, Zerrissenheit und Doppelgängerparanoia. Sie gestattet dem Ich den Ausbruch aus dem Zwang gesellschaftlich präskriptiver Individualität und eröffnet zugleich die Möglichkeit einer komplexeren Erfahrung der eigenen Existenz. Seit Ende des 19. Jahrhunderts ist der literarische Doppelgänger nicht allein der Teil des Menschen, der sich in seiner Identität bedroht sieht, sondern auch eine literarische Figur, die versucht, der eigenen Identität auf produktive Weise zu entfliehen. Die Moderne hat im Doppelgänger einen Mythos gefunden, in dem sie sowohl ihr Leiden an der Entfremdung als auch ihre Leidenschaft für Grenzüberschreitungen ausdrücken konnte.

Das Seminar will anhand repräsentativer Texte die poetologische Konzeption literarischer Doppelgänger diskutieren und analysieren, inwieweit sich dieses literarische Motiv als Metapher einer sich selbst befragenden ambivalenten Weltsicht und zugleich als individuelles und gesellschaftliches Krisenphänomen lesen lässt.

 

Literatur

Vorgesehen sind bisher u.a. Texte von:

Jean Paul, Hugo von Hofmannsthal, E. T. A. Hoffmann, Fjodor Dostojewski, Oscar Wilde, José Saramago, Edgar Allan Poe, Max Brod und Jorge Luis Borges

 

Voraussetzungen

- vorbereitende Lektüre aller Seminartexte

- regelmäßige & aktive Teilnahme an den Seminardiskussionen

 

Leistungsnachweis

2LP (neu/Seminar): Referat

3LP (alt): Referat & ausgearbeitetes Thesenpapier oder Prüfungsgespräch (15min)

3LP (neu/Prüfungsleistung): HA oder Prüfungsgespräch (20min)

4LP (alt): Referat & HA oder Prüfungsgespräch (20min)

 


Strukturbaum
Keine Einordnung ins Vorlesungsverzeichnis vorhanden. Veranstaltung ist aus dem Semester WiSe 2012/13 , Aktuelles Semester: SoSe 2022