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Foto: Matthias Friel

Aktuelle Tendenzen der slawischen Gegenwartsliteraturen im europäischen Vergleich - Einzelansicht

Veranstaltungsart Vorlesung Veranstaltungsnummer
SWS 2 Semester WiSe 2019/20
Einrichtung Institut für Slavistik   Sprache deutsch
Weitere Links Kommentar
Belegungsfristen 01.10.2019 - 20.11.2019

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Vorlesung Mi 12:00 bis 14:00 wöchentlich 16.10.2019 bis 05.02.2020  1.09.1.02 Prof. Dr. Wöll 25.12.2019: 1. Weihnachtstag
01.01.2020: Neujahr
Kommentar Für weitere Informationen zum Kommentar, zur Literatur und zum Leistungsnachweis klicken Sie bitte oben auf den Link "Kommentar".

Gegenwärtige Autoren thematisieren oft apokalyptische Utopien, die unsere Welt als eine letzte erscheinen lassen. Andererseits erzählen sie auch aus Welten vor unserer Zeit. Nicht nur Film- und Musikstars werden mythisch verklärt und zu neuen Helden stilisiert, sondern auch literarische Figuren nehmen – in teils ironischer Distanz, aber dennoch als Leitbilder – zunehmend die Position mythischer Götter und Heroen ein. „Es handelt sich um einen anderen Akt der Auflehnung: gegen die Totalherrschaft der Gegenwart, die dem Individuum jede Anwesenheit von unaufgeklärter Vergangenheit, von geschichtlichem Gewordensein, von mythischer Zeit rauben und ausmerzen will“ (Botho Strauß). Allgemein wird in der derzeitigen Globalisierung von einem vermeintlichen Niedergang der europäischen Literaturen und vom kometenhaften Aufstieg bisher peripherer Literaturen gesprochen. Wie entwickeln sich in diesem Zusammenhang Lesegewohnheiten und Buchmärkte in Mittel- und Osteuropa, von denen in unserem öffentlichen Diskurs meist gar nicht die Rede ist? Warschau erscheint in der polnischen Prosa der Gegenwart als Ort der Jugend (bei Andrzej Stasiuk und Krzysztof Varga) oder als zynischer und grotesk verkommener Sitz des Kapitalismus (bei Wojciech Kuczok). In Tschechien entsteht bei Miloš Urban oder Petr Borkovec eine erneute Mythologisierung von bestimmten Orten oder Ereignissen der Kindheit, aber nicht mehr unter politischen Gesichtspunkten, sondern privat. Serhi Zhadan überlagert hybride Orte unter dem Leitmotiv des Nomadischen. Parallel dazu sind die erfolgreichen Romane Ur und andere Zeiten sowie Taghaus Nachthaus von Olga Tokarczuk oder Andere Lüste und Tausend friedliche Städte von Jerzy Pilch zu verstehen. Bei Viktor Pelevin (Generation P, Buddhas kleiner Finger) oder bei Stefan Chwin (Tod in Danzig, Die Gouvernante) ist die Mythologisierung des Ortes nur Ausgangspunkt philosophischer Reflexionen über die Bedrohungen, mit denen das menschliche Individuum im zwanzigsten Jahrhundert konfrontiert ist. Das Spektrum reicht von avantgardistischen Experimenten mit Sprache und Erzählkomposition (Jakub Szaper, Andrzej Tuziak) bis zu traditionellen Erzählweisen (Emil Hakl, Ludmila Petruševskaja, Joanna Bator). Ganz persönlichen Berichte, die auf biographischen Fakten beruhen (Andrzej Stasiuk, Jurij Andruchowych) wechseln mit postmodernem Spiel mit dem Akt des Schreibens (Anna Burzyńska). Büchern, die aus entschieden männlicher Perspektive geschrieben sind (Eduard Limonov, Janusz Rudnicki) stehen feministischer Prosa (Zuzana Brabcová, Kinga Dunin) gegenüber. Auch gibt es eine neue Form der Massenliteratur, deren Qualität teils höchst fragwürdig ist (Boris Akunin, Alex Orlow, Aleksandra Marinina). Als „Massolit“ kehren alle vormals verdrängten Themen in die russische Literatur zurück, im neuen „Chudlit“ wechseln Sex and Crime mit Kitsch und Humor. Russische, ukrainische, tschechische und polnische Texte haben heute verloren, was über ganze Jahrhunderte hinweg ihre Besonderheit ausmachte: nationales Idiom und politisches Engagement. Dafür gewannen sie den Gestus des freien Individuums und das Interesse an elementaren Fragen der menschlichen Existenz. In der Vorlesung wollen wir uns kultur- und literaturwissenschaftliche Qualitätsmerkmale bei der Beurteilung aktueller Texte erarbeiten.

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Keine Einordnung ins Vorlesungsverzeichnis vorhanden. Veranstaltung ist aus dem Semester WiSe 2019/20 , Aktuelles Semester: SoSe 2020