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Foto: Matthias Friel

Die Rolle des Tieres im literarischen Text - Einzelansicht

Veranstaltungsart Seminar Veranstaltungsnummer
SWS 2 Semester SoSe 2022
Einrichtung Institut für Romanistik   Sprache deutsch
Belegungsfristen 01.04.2022 - 10.05.2022

Belegung über PULS
01.04.2022 - 10.05.2022

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Gruppe 1:
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    Tag Zeit Rhythmus Dauer Raum Lehrperson Ausfall-/Ausweichtermine Max. Teilnehmer/-innen
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Seminar Mi 12:00 bis 14:00 wöchentlich 20.04.2022 bis 27.07.2022  1.19.4.15 Prof. Dr. Klettke 18.05.2022: 
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Seminar Mi 12:00 bis 14:00 Einzeltermin am 18.05.2022 1.08.1.45 Prof. Dr. Klettke  
Kommentar

Das Seminar beschäftigt sich mit den Funktionen der Tierdarstellung im literarischen Text. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Anthropomorphisierung: Das Tier wird zur Projektionsfläche des Menschen, über Vergleiche und Analogien gibt es im allegorischen Modus Aufschluss über die menschliche Natur. Das Tier kann aber auch die Alterität des Menschen figurieren. Der Blick des Menschen auf das Tier begegnet einer verrätselten Andersheit. Der Blick des Tieres gibt nichts preis. Seine Stummheit und Sprachlosigkeit entpuppen sich als Widerstand für die Sinnsuche. Mit Methoden menschlicher Wahrnehmung (Sehen, Hören) scheint man dem Tier nicht beizukommen. So wird das Tier in der Moderne zum Dispositiv einer vielfältigen Offenheit, die nur noch fragmentarische Sinnspuren erkennen lässt und für Experimente einer archäologischen Erkundung genutzt werden kann.

Die Suche nach dem Schlüssel zum Tierwort (französisch: animaux-animot) führt uns auf eine Spurensuche zu den Ursprüngen der Menschheit. Prähistorische Funde von Knochen und Versteinerungen geben Aufschluss über die mythischen Tierwesen vergangener Erdzeitalter. Die Höhlenmalereien der Iberischen Halbinsel und Südfrankreichs verraten etwas über verborgene Tiefenschichten der menschlichen Natur. Der Weg der darwinistischen Evolution spiegelt sich in der Begegnung mit niederen Tiergattungen. Das Tier entpuppt sich somit als Erkenntnisinstrument, um den Geheimnissen der Menschen und des Planeten näher zu kommen.

Der Schwerpunkt des Seminars liegt auf der französischen Literatur, es werden aber auch Beispiele aus der italienischen, spanischen und portugiesischen Literatur herangezogen. Die Grundlage bilden Texte aus mehreren Epochen, die teils ganz, teils in Auszügen rezipiert werden. Die Beispiele entstammen dem Roman, der Novelle, der Tierfabel, der Lyrik und dem Drama, daneben werden aber auch Werke der bildenden Kunst herangezogen (wie z.B. surrealistische Gemälde von Fischen, Frida Kahlos Selbstbildnisse mit Affen u.a.).

Im Rahmen des Seminars werden zwei Gastvorträge von Spezialistinnen stattfinden: Am 18.5. spricht Frau Prof. Fabienne Bercegol über „Die Rolle des Tieres in der Kindheitserzählung am Beispiel der Mémoires d’outre-tombe von Chateaubriand“ (Vortrag auf Französisch mit deutscher Simultanübersetzung). Am 15. Juni wird die Schriftstellerin, Theaterregisseurin und Wissenschaftlerin Lydie Parisse Beispiele aus ihrer eigenen Theaterproduktion vorstellen und interaktiv mit den Studierenden erproben.

Themen:

  1. Die moraldidaktische Valenz der Erziehung durch Tiermodelle: die Fabeln von La Fontaine, La Cigale et la Fourmi und Le Corbeau et le Renard 
  2. Der Vogel: Giacomo Leopardi, Elogio degli uccelli (aus den Operette morali)
  3. Der Vogel: Auf den Spuren des Paradieses: Die Laute des Urvogels: Aristophanes, Die Vögel, Goethe und Andrea Zanzotto)
  4. Die Bedeutung des Tieres für die Initiationserfahrung des Knaben und seine Erziehung zum Mann: Vogel und Pferd in der Kindheitserzählung von René de Chateaubriand (Vortrag von Prof. Fabienne Bercegol)
  5. Der Vogel als Symbol des Heiligen Geistes: das stumme Leiden und die Erlösungshoffnung der Magd Félicité in Flaubert, Un Cöur simple auf der Folie der Intertextualität zu Gresset, Vert-Vert ou le Voyage du perroquet de Nevers
  6. Der Affe: Grenzerfahrungen zwischen Mensch und Tier in Flauberts Erzählung Quidquid volueris (cf. auch die exotischen Szenen von Frauen und Affen in Voltaires Candide, die von Darstellungen in Atlanten der Neuen Welt inspiriert erscheinen, und den Affen in den Selbstbildnissen von Frida Kahlo)
  7. Die Giraffe in Judith Shalansky, The Giraffe’s neck (Vortrag von Valentina Grispo)
  8. Vogel und Katze: Les Éblouis und die Intertextualität zu Maeterlinck, L’Oiseau bleu (Vortrag zum Theater und interaktive Sitzung mit PD Lydie Parisse)
  9. Eidechse und Reptil: Auf den Spuren der Evolution in Italo Calvino, Palomar
  10. Die Fliege: Paul Valéry, Monsieur Teste und Fernando Pessoa, Buch der Unruhe
  11. Die Katze: Baudelaire, Les Chats und weitere Gedichte
  12. Der Hund und sein gesellschaftskritischer Blick auf den Menschen in Cervantes, El coloquio de los perros
  13. Der Fisch: der Aal als Symbol in Montale, L’anguilla; die Fischnatur des Menschen: die Symbolik des Fisches in der surrealistischen Malerei
Literatur

Empfohlene Literatur (zur Einführung):

-        Agamben, Giorgio, L’aperto. L’uomo e l’animale. Torino: Bollati Boringhieri, 2002. (Dt. Übs.: Das Offene. Der Mensch und das Tier. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2003.)

-        Derrida, Jacques, L’Animal que donc je suis. Paris: Galilée, 2006. (Dt. Übs.: Das Tier, das ich also bin. Wien: Passagen, 2010.)

-        Michel Pastoureau, Bestiaires du Moyen Âge. Paris: Seuil, [12011] 2020.

-        Élisabeth Plas, Le Sens des bêtes. Rhétoriques de l’anthropomorphisme an XIXe siècle. Paris: Classiques Garnier, 2021.

 

Bemerkung

Das Seminar findet in Präsenz statt, einige Sitzungen werden online durchgeführt. Die entsprechenden Daten hierzu werden in der ersten Sitzung des Semesters bekanntgegeben.

Die Lehrveranstaltung beginnt am 27. April.

Leistungsnachweis

Testat: Referat


Strukturbaum
Keine Einordnung ins Vorlesungsverzeichnis vorhanden. Veranstaltung ist aus dem Semester SoSe 2022 , Aktuelles Semester: WiSe 2023/24